Pflege & Betreuung, Selbstwert, Wertschätzung

Hat mein Selbstwert mehr Geld verdient?

Respektiere dich selbst, respektiere andere und übernimm Verantwortung für das was du tust. (Dalai lama)

Ich mache mir zum Thema Wertschätzung und Selbstwert von Menschen in Pflegeberufen ja schon seit langer Zeit so meine Gedanken. Dazu brauchen wir auch die Beleuchtung des geschichtlichen Hintergrundes und der Entwicklung des Berufsstandes und ich freue mich wenn ich euch auf die kleine Reise in die Geschichte mitnehmen darf.

Noch im Mittelalter war die Pflege eine Überlebensstrategie zur Existenzsicherung innerhalb des Famlien- oder Stammesverbandes, sie war eine selbstverständliche zwischenmenschliche Hilfe und natürlich unentgeltlich.

Im Wandel der Zeit, hauptsächlich in der Antike, entwickelte sich die ärztliche Assistenz in eine strukturierte und teilweise organisierte gesellschaftliche Aufgabe, die grundständige Pflege allerdings wurde hauptsächlich in der Familie erbracht.

Kein Wunder also, wenn Menschen von schlechtem Gewissen geplagt werden, wenn sie sich außer Stande fühlen ihr Familienmitglieder selbst zu pflegen. Ist das tatsächlich unsere Aufgabe?

Eine Neuorientierung setzte mit dem frühen Christentum ein.

Das Ideal der mildtätigen Nächstenliebe als Grundlage pflegerischen Handelns entwickelte sich im antiken Rom und verbreitete sich mit dem Christentum über ganz Europa.

Ist also schon eine ganze Weile her.

Wen wundert es daher wenn einige der Glaubenssätze von Menschen in Pflegeberufen so tief verinnerlicht sind.

Im Mittelalter wurden einige Orden, z.B. der Orden der barmherzigen Brüder gegründet, die sich der Kranken und Armenpflege verschrieben haben.

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts werden Forderungen nach einer Professionalisierung der Krankenpflege laut. Die erste Krankenpflegeschule wird von Ärzten initiiert und man bemüht sich um eine Verbesserung der Ausbildung der hauptsächlich religiös motivierten Pflegekräfte.

Aus meiner Sicht ist der religiöse Hintergrund einer der Irrtümer, dass Pflege selbstlos zu geschehen hat.

1860 veröffentlichte Florence Nightingale die erste pflegetheoretische Schrift und prägte bis heute die Anschauung, dass Krankenpflege nicht nur ein Beruf zum Geldverdienen sein. Ihre Anschauung war es, dass Krankenpflege auch aus Liebe und Engagement für den Nächsten geschehen soll.

In meiner Welt, hat gerade in Berufen der Pflege und Betreuung von fühlenden Wesen, die Liebe und Nächstenliebe, den höchsten Stellenwert Schließt sich Nächstenliebe und gutes Geld verdienen jedoch aus?

Verglichen mit der Krankenpflege ist die Altenpflege ein relativ junger Beruf. Bis in die 1920er Jahre hinein wurden dauerhaft Pflegebedürftige, alte Menschen und an Demenz Erkrankte in sogenannten Sichenheimen untergebracht.

Die Pflege in den Altenheimen, die sich zum Großteil in katastrophalem Zustand befanden, lag überwiegend in den Händen von Personen ohne fachliche Ausbildung.

Bis zum Ende der 1950er Jahren gab es in diesem Bereich kaum ausgebildete Krankenschwestern, diese waren vor allem in den Leitungsebenen beschäftigt.

Examinierte Pflegerinnen und Pfleger waren für die Träger der Einrichtungen zu „teuer“ oder konnten für diese Tätigkeit nicht motiviert werden.

Zu dieser Zeit gab es auch wenige dieser Alten-und Siechenheime. Altenpflege war fast ausschließlich Familienpflege.

Im Laufe der Nachkriegszeit reichte diese Kapazität aber bald nicht mehr aus, durch zwei Weltkriege und die industrielle Revolution hatten sich viele Familienstrukturen aufgelöst.

In den Heimen wurde nun dringend neue Mitarbeiter gesucht, Krankenschwestern gab es nicht genug und diese waren auch zu teuer.

Wieder einmal war es das Argument der leichten Finanzierbarkeit, warum vor allem weibliche Arbeitskräfte als Hilfskräfte gesucht wurden- es drängt sich mir der Eindruck auf, dass die Betreuung und Pflege von betagten Menschen nicht sehr hoch im Ansehen stand.

Man war der Meinung, dass Frauen aufgrund all der „typisch weiblichen Eigenschaften“ sich auch OHNE Ausbildung um alte Menschen kümmern könnten.

Wie kann ich mich also darauf verlassen, dass männliche Pflegekräfte-ohne typische weibliche Eigenschaften -empathische arbeiten?!

Zusammengefasst braucht es uns nicht zu wundern, dass althergebrachte Muster ein großes Hindernis sind.

Kenne ich als Pflegeperson meinen eigenen Wert nicht kann ich mir auch nicht erwarte angemessen entlohnt werden.

Darauf zu warten, dass sich im Außen daran etwas ändert, scheint mir unrealistisch zu sein.

Wer etwas dauerhaft verändern will, muss bei sich selbst beginnen und darf sich gerne folgende Fragen durch den Kopf gehen lassen

  • Habe ich Freude an meiner Arbeit in einem Pflegeberuf?
  • Erfüllt mich diese Arbeit mit Sinn?
  • Was hat mich zu der Entscheidung einen Pflegeberuf zu ergreifen, gebracht?
  • Bin ich mitfühlend oder mitleidend-bzw. kenne ich den Unterschied?
  • Kenne ich meine eigenen Grenzen?
  • Respektiere ich meine eigenen Grenzen?
  • Welchen Stellenwert hat das „Alter“ für mich?
  • An welche Stelle setze ich mich in meinem Leben?

Ich freue mich sehr falls ihr mir eure Gedanken zu diesen Fragen in einem Komentar mitteilen wollt.

In Achtsamkeit

Eure Michaela

 

 

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