Wertschätzung

Toll ein anderer macht’s

Kennst Du den Satz:“ich finde es ganz toll, dass es Menschen gibt die DAS können. Also ich könnte das nicht.“

Nichts dagegen zu sagen. Jeder Mensch ist für einen anderen Beruf geschaffen, wäre ja auch langweilig würden wir alle das Gleiche machen.

Vielleicht ist es eher das WIE –dieser oder ähnliche Sätze, gesagt werden!?

Was meint jemand damit wenn er sagt, dass er es toll findet dass andere z.B. in der Alten- Pflege arbeiten?

Was wird hier für so toll befunden?

Ist es die Erleichterung dass sich gottseidank andere gefunden haben etwas derartiges zu tun?

Man könnte fast meinen es ist oftmals die Abneigung sich vorstellen, dass ein betagter Mensch berührt werden muss. Dass er gewaschen werden muss und Unterstützung bei den täglichen Vorgängen der Ausscheidung benötigt.

Mein eigener Zugang dazu ist, man sollte tatsächlich den Beruf nur dann ergreifen wenn man mit diesen Dingen des Lebens kein Problem hat. Möglichkeiten da hineinzuschnuppern gibt es. In den Beruf der Pflege zu gehen wenn einem vor allen möglichen Arten der Ausscheidung leicht ekelt, hat kaum einen Sinn.

Wer möchte sich eine Pflegekraft vorstellen die sich mir vor Ekel verzogenen Gesicht vom Patienten abwendet.

Auch die Wundversorgung und deren Gerüche, gehört in diesen Bereich.

Sich vorzustellen, dass sich jemand von einem selbst angeekelt abwendet, spürt sich jedenfalls nicht besonders gut an.

Auch der Satz:“Bewundernswert, dass Du DAS kannst“, fällt mir da ein.

Ist es tatsächlich Bewunderung?

Muss man für den Beruf der Pflege, speziell der Alten Pflege, geboren sein? Genügt es wenn mir einfach nicht leicht ekelt? Braucht es tatsächlich einen besonderen Zugang zum Alter?

Sollte man einfach „nur“ gute Nerven haben um mit Menschen im dementiellen Bereich arbeiten zu können oder ist die Grundbedingung die Zuneigung jedem gegenüber?

Ja manchmal kommen meine Gedanken wirklich vom hohen Ross herab.

Fühle ich mich als besonders nur weil ich einen guten Draht zu alten, dementen oder einfach zu Menschen mit Beeinträchtigungen, habe? Ehrlich, ein bisschen fühlt es sich wie eine besondere Gabe an aber gibt mir dass tatsächlich das Recht über andere Personen zu urteilen die aus den verschiedensten Gründen in einem Pflegeberuf arbeiten???

Nein. Ich bin mir sicher dieses Recht nicht zu haben.

Vor allem gibt es mir nicht das Recht überhaupt über einen anderen zu urteilen.

Wenn ich ehrlich sein darf, möchte ich  beruflich nicht als Reinigungskraft arbeiten. ABER ich finde es ganz toll, dass andere das machen! Ups! Finde ich es nun bewundernswert wenn es jemand schafft strukturiert, schnell und ordentlich einen Haushalt in Schwung zu halten?

Bewundere ich Menschen die mit einer Genauigkeit und Liebe zur Reinheit jeden Winkel einer Wohnung mit Sauberkeit erfüllen?

Eine liebe Freundin hat mir erzählt, dass sie ihre Reinigungshilfe als ihre „Mitarbeiterin“ bezeichnet.

Klingt für mich sehr wertschätzend.

Um ehrlich zu sein überlege ich bereits seit einiger Zeit mir eine so wertvolle Mitarbeiterin zu leisten. Ich mag den Geruch von frisch gebügelter Wäsche, sauberen Böden und genieße das Gefühl von Reinheit und Frische.

Es kostet mich wertvolle Zeit das alles selbst zu machen, Zeit die ich bei den Dingen die ich sehr gut kann, besser einsetzen könnte. Hätte ich eine so wertvolle Mitarbeiterin würde ich sie gerne so angemessen bezahlen, dass sie gerne für mich mein zuhause sauber hält.

Tja, für mich sieht so Wertschätzung aus. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass sollte für jeden Beruf gelten!

Denn nur weil ich selbst etwas nicht machen möchte ist es deshalb nicht weniger wert.

Wir brauchen Menschen die unsere Straßen sauber halten, uns in Bussen von A nach B bringen, uns am Förderband beim Einkaufen behilflich sind, Autobahnen in Schuss halten, unsere Verstorbenen würdevoll versorgen, unsere Anrufe in Callcentern entgegennehmen……….

Versuchen wir doch einmal andere SO wertzuschätzen wie wir es selbst gerne haben.

Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung. (Jean-Jacques Rousseau)

 

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