Wertschätzung

DU BIST SO ALT WIE……

Nur allzu gerne möchte ich diesen Satz mit ……WIE DU DICH FÜHLST, vervollständigen.

Wenn Du einer der vielen Studien dazu glauben schenken möchtest, dann nimm z.B. diese vom 16.12. 2014 der haz.de her „Welche Mechanismen dem Zusammenhang zwischen selbst empfundenem Alter und Sterberate zugrunde liegen, sei nicht bekannt. Nur so viel: Fühlt man sich jung, beeinflusst dies „die tatsächlichen Alterungsvorgänge positiv“, schreiben die Autoren. 

Tatsächlich ist es so, dass viele Menschen sich jünger empfinden als sie von ihrem Alter her sind. Oft im Vergleich zu anderen, daher subjektiv gesehen.

Ein Phänomen das sich DANN zeigt, wenn wir uns mit ehemaligen SchulkollegInnen oder Freunden/Bekannten, vergleichen. Hier entscheidet manchmal das dichtere Haar, die weniger erkennbaren Falten usw. 🙂

Auch ich selbst bin der Überzeugung, dass wir sehr viel dazu beitragen können wie wir unser Altern empfinden. Ich halte z.B. Flexibilität im Denken und Handeln für einen wichtigen Faktor um sich nicht frühzeitig als „alt“ zu empfinden. Der Wille zum lebenslangen Lernen und Weiterentwickeln scheint mir ebenfalls ein maßgeblicher Faktor zu sein.

Und doch gibt es noch einen viel größeren Faktor:

DU BIST SO ALT WIE DU VON ANDEREN GESEHEN WIRST“

Hierzu möchte ich die Gedanken einer meiner Klientinnen mit Dir teilen.

Marianne (Name geändert)hat mir die Erlaubnis aus eigenem Anliegen gegeben. WARUM? Weil sie weiß, dass dieses Thema nicht nur sie betrifft.

Ich darf Marianne seit 8 Monaten bei ihren Anliegen begleiten. Zu Beginn war es hauptsächlich der Wunsch nach körperlicher Entspannung und auch ein wenig die Neugierde O-Ton „ich hatte keine bestimmte Ahnung was du eigentlich tust, da mir aber meine Freundin einen Gutschein zum Geburtstag geschenkt hatte, hab ich es einfach ausprobiert“

Unschwer zu erkennen ist Marianne ein direkter Mensch und das machte die Arbeit mit ihr umso herausfordernder 😉

Zu Beginn unserer Arbeit fiel es Marianne, laut eigener Angabe, schwer Berührung zuzulassen. Das Gefühl nicht aktiv etwas zu tun war für sie fremd und ungewohnt. Einfach Da zu liegen und etwas Geschehen zu lassen war in ihrer bisherigen Welt nicht vorgekommen.

Glaubenssätze wie „ohne Fleiß kein Preis“ hatten ihre Gültigkeit.

Ich möchte und darf ein paar Basics an euch weitergeben:

Marianne ist 74 Jahre alt. Vor 4 Jahren ist ihr Partner verstorben. Sie hat 2 Kinder aus ihrer ersten Ehe und ein gemeinsames Kind mit ihrem verstorbenen Partner. Marianne hat 2 Enkelkinder.

„Ja ich weiß, dass ich 74 Jahre alt bin und will es auch gar nicht leugnen. Ich frage mich manchmal wo die Zeit hingekommen ist. Ich kann mich so lebhaft an Ereignisse meiner Jugend erinnern, dass ich oft selbst nicht glauben kann wie lange das schon zurück liegt“

„Ich habe mich immer sehr weiblich gefühlt. Es war mir wichtig nicht übermäßig sexy oder ordinär zu wirken aber ich wußte wie ich auf Männer wirke und habe es auch genossen. Zu meiner Zeit hast du aber aufpassen müssen-da warst du schnell abgestempelt!“ Meinem Mann gegenüber habe ich mich eher zurückhaltent verhalten, was hätte er sonst von mir gehalten?

Während unsere Arbeit wurde bald klar, dass der Wunsch nach körperlicher Entspannung erst dann möglich werden würde, wenn wir auch die Glaubenssätze und Muster von Marianne miteinbeziehen würden.

„Mein Mann ist vor 4 Jahren verstorben. Irgendwie fühle ich mich schlecht und auch schmutzig, wenn ich überhaupt daran denke einen anderen Mann kennenzulernen.“ Außerdem will sowieso keiner eine alte Frau!“

Du bist so alt wie Du Dich fühlst oder wie Dich andere sehen?

Wer wie ich aus dem pflegendem Tätigkeitsbereich kommt, hat möglicherweise eine eingeschränkte Sichtweise auf das ALTER. Wir haben es naturgemäß erst mit Menschen mit Einschränkungen bedingt durch ihr Alter zu tun. Natürlich arbeiten wir auch mit ihren Ressourcen aber sehen wir sie auch als Menschen mit ihrem Bedürfniss nach sexueller Identität?

„Mein Mann hat gerne seine Meinung Kund getan Männer reifen wie eine gute Flasche Wein. Was aber ist mit mir? Ich empfinde mich nicht wie 74. Ich weiß gar nicht wie ich mich empfinde. Ich halte mich körperlich fit und versuche (um ehrlich zu sein) meine Wehwehchen zu verleugnen aber ich glaube auch zu sehe auch wie andere mich wahrnehmen.“

Wie gehe ich mit meinem eigenen Alter um?

Diese Frage dringt bei meiner Arbeit mit Marianne auch immer wieder in mein eigenes Bewusstsein. Zugegeben, Als Frau definiere ich mich gerne über mein Äußeres. Ich glaube zwar nicht das irgendwann direkt ausgenützt zu haben aber um ehrlich zu sein, manches fiel mir über den weiblichen Zugang schon etwas leichter.

Ich selbst bin nun im 51.sten Lebensjahr, seit mehr als 30 Jahren in einer Beziehung und somit auch nicht auf der Suche.

ABER WAS WÄRE WENN?

Nun gut, ich fühle mich körperlich relativ fit. Um meiner morgendlichen UN-Beweglichkeit entgegen zu wirken, mache ich kleine Yoga Übungen. Das Dehnen tut mir sichtlich gut. Walken und das Bewegen in freier Natur empfinde ich ebenfalls als große Bereicherung. Ich trage mein Haar noch immer lang, obwohl meine Schwiegermutter bereits in meinem 30. Lebensjahr gemeint hat, dass das unpassend wäre.

Wirke ich noch immer auf Männer?

Schwer zu beantworten. In einer Beziehung lebend, teste ich es nicht wirklich aus. Aber um ehrlich zu sein, wird auch mir bewusst, dass sich nicht automatisch Männer nach mir umdrehen. Warum auch! Weibliche Attribute verlieren im Alter vermutlich ihre Anziehungskraft. Ist das MEIN Glaubenssatz?

Wie aber ist es bei unseren männlichen Partnern?

Es wird uns gerne berichtet, dass Männer auch im fortgeschrittenen Alter ihrer Zeugungskraft noch mächtig sind und Nachkommen in die Welt setzen können.

Die Natur setzt hier verschiedene Grenzen. Die biologische Zeugungsfähigkeit des Mannes liegt über dem körperlichen Vermögen der Frau, für Nachkommenschaft zu sorgen. GOTT SEI ES GEDANKT! (zumindest aus meiner Sicht)

So bleibt uns die Frage:

Man ist so alt wie man sich fühlt oder man ist so alt wie dich die anderen sehen?

Marianne meint dazu:

„Ich weiß nicht so recht wie ich mich geben soll. Bin ich zu agil, habe Angst den Anschein zu erwecken ich würde-auf Jugendlich machen.

Ich sehe im Spiegel meine Falten, ich spüre gleich nach dem Aufwachen meine steifen und schmerzenden Glieder.

Ich liebe es mit nackten Füssen im feuchten Gras zu tanzen, nackt in einem See zu schwimmen.

Ich habe eine so unbändige Lebensfreude in mir.

Und ich habe große Angst, dass ich nicht gleichzeitig auch Mutter und Großmutter sein kann und für voll genommen werde“

Marianne und ich bleiben dran. Wir arbeiten in unseren Sitzungen an all ihren Mustern, Glaubenssätzen und Meinungen.

Auch ich nehme mir aus unserer Arbeit vieles mit.

Welche Überzeugungen hast Du zu diesem Thema?

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